#13 D: Rolf Dobelli. Die Kunst des guten Lebens.
Im Sinne der Ausweitung meiner zweiten Challenge findest du hier die Zusammenfassung meiner weiteren Lektüre – hier der Buchstabe D, wie Rolf Dobelli.

Dobelli – Ein Autor der Wissensgesellschaft
Während meines Studiums bin ich mehrfach auf diesen Autor gestossen. Als studierter Philosoph und Betriebswirt der Universität St. Gallen, welcher tagtäglich mit Wissen konfrontiert ist, ist Dobelli (*1966) ein klassischer Autor der Wissensgesellschaft. Er arbeitete in diversen Führungspositionen der Wirtschaft, gründete 1999 die Firma getAbstract, einen Verlag für Buchzusammenfassungen und trat 2011 aus der operativen Führung zurück. Anschliessend widmete er sich dem Schreiben und dem Journalismus. Er moderierte die wöchentliche Büchersendung auf NZZ Online, schrieb für die FAZ, die SonntagZeitung und die Zeit sowie für den Stern. 2012 landete Dobellis Buch Die Kunst des klaren Denkens über mehrere Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste. Auch sein Buch Die Kunst des klugen Handelns folgte diesem Beispiel. Beide Bücher sind eine grosse Inspiration, sich mit diversen psychologischen Fallen und Tipps auseinander zu setzen. Auch sein Plädoyer für eine «gesunde Nachrichtendiät» und die Gründung der TED-ähnlichen Community Word.Minds im Jahr 2012 finde ich sehr ansprechend. Aktuell ist er Autor für die NZZ am Sonntag.
Werkzeugkasten für ein gutes Leben
In seinem neusten Buch, Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück beschreibt Dobelli die Notwendigkeit, sich einen «Werkzeugkasten von unterschiedlichen Denkmethoden, um die Welt zu verstehen» für ein gutes Leben anzulegen. Das Buch geht tiefer als seine beiden vorhergehenden Sachbücher . Es vermittelt verschiedene mentale Werkzeuge («wichtiger als Faktenwissen»), mittels derer sich jeder Mensch ein gutes Leben zusammenstellen kann. Er beschreibt 52 Denkwerkzeuge, «die ein gutes Leben zwar nicht garantieren, es aber dennoch wahrscheinlicher machen».
52 Werkzeuge – your choice
Folgende Werkzeuge nennt Dobelli unter anderem (hier die ersten 13 in Kurzfassung):
- Mentale Buchhaltung: Statt sich über verlorenes Geld aufzuregen, empfiehlt Dobelli, einen bestimmten Betrag für gute Zwecke – inklusive für Strafzettel und geraubten Geldes – zu reservieren und gewisse Beträge direkt zu bezahlen anstatt die Rechnung abzuwarten. Zusammengefasst geht es bei der mentalen Buchhaltung darum, die Zeit in Ruhe zu nutzen und nicht durch Aufregung zu verscherzen. Eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Kleinst-Beträge beruhigt das Gemüt und lässt einen länger Leben.
- Die Kunst des Korrigierens: Es gibt kein perfektes Setup. Statt eines perfekten Plans ist die Fähigkeit viel wichtiger, Pläne fortwährend an neue Gegebenheiten anzupassen.
- Das Gelübde: Fixe Gelübde (bspw. auf die Nachspeise, auf Nachverhandlungen oder auf Nachrichten zu verzichten) helfen, Willenskraft für die wirklich wichtigen Dinge aufzuwenden. Überdies entfalten sie Signalwirkung: Konsistente Unnachgiebigkeit bei gewissen Themen macht einen souverän und unangreifbar in gewissen Lebensgebieten.
- Black-Box-Denken: Vor wichtigen Entscheiden die eigenen Gedanken notieren, um Problemursachen zu analysieren und Probleme in Zukunft zu vermeiden.
- Antiproduktivität: Eine Vollkostenrechnung lässt Zeit- und Geldvorteile technischer Errungenschaften verschwinden. Konkret sind bspw. die gesamten Kosten, Installation, Vernetzung, Updates und Ladung von Geräten zu berücksichtigen.
- Die negative Kunst des Lebens: Es ist einfacher, Faktoren, die das Leben negativ beeinflussen zu vermeiden, als Positive zu suchen. Stress, Müdigkeit, Lärm, lange Arbeitswege, ein verhasster Job etc. sind allgemein als negative Faktoren bekannt, während unsere Gesellschaft bei positiven Faktoren im Dunkeln tappt.
- Die Eizellen-Lotterie: Wir können sehr wenige Faktoren unseres Erfolgs uns selbst zuschreiben. Entsprechend ist Dankbarkeit statt Stolz ein angemessenes Lebensgefühl.
- Die Selbsterforschungs-Illusion: Traue nie deinen eigenen Gefühlen! Mache sie nie zu deinem eigenen Kompass! Es ist einfacher, die Realität zu beschreiben, als die eigenen Gefühle. Wichtiger (& einfacher) ist die Beschreibung der Gefühle Anderer, die Ausblendung negativer Gefühle (Ataraxie) oder das komplette Ausschalten von Gefühlen (Apathie) und die Beschreibung von Fakten.
- Die Authentizitätsfalle: Stets unser Innerstes preiszugeben ist kein gutes Rezept für ein gutes Leben. Stattdessen empfiehlt Dobelli, eine natürliche Aussengrenze aufrecht zu erhalten und nach aussen professionell zu wirken, Versprechen zu halten, Prinzipien einzuhalten und den Anstand zu wahren – letztlich, um uns selbst zu schützen.
- Das Fünf-Sekunden-Nein: Aufgrund unserer evolutionären Entwicklung tendieren wir dazu, Anderen einen Gefallen zu erfüllen, um später ebenfalls einen Gefallen einzufordern (sog. Reziprozität). Stattdessen sollten wir lernen, uns innerhalb kurzer Zeit (bspw. 5 Sekunden) zu entscheiden und eher Nein zu sagen, um sich so langfristig auf besser auf seine Ziele zu fokussieren und erfolgreicher zu sein als Andere, die damit beschäftigt sind, Gefallen zu erfüllen.
- Die Fokussierungsillusion: Aus Sicht eines langen Zeithorizontes verschwindet der übermässige Fokus auf heute störende Gegebenheiten (siehe nächstes Werkzeug)
- Die Anschaffungsillusion: Wir überschätzen den Effekt der Anschaffung von Gegenständen und unterschätzen den Effekt von Erlebnissen auf unser Glücksempfinden.
Mit diesen und weiteren Werkzeugen will Dobelli zeigen, dass es sich lohnt an seinen inneren Werten zu arbeiten, um ein glückliches Leben zu führen. Aus einer Kombination von psychologischen Forschungszweigen, der Stoa und Investment-Autoren ist ihm ein wirklich einzigartiges Buch gelungen. Die Wahl liegt letztlich bei dir: Welche Werkzeuge wende ich an? Wie führe ich mein gutes Leben? Denk- und Handlungsanstösse finde sich in Dobellis Buch zuhauf. So viele, dass ein bis drei Kapitel pro Tag ausreichen, wenn du diese umsetzen oder zumindest ausprobieren willst.
Mein Fazit: 5 von 5 Sternen
Dobelli schreibt klar und flüssig. Die Kapitel sind mit 4-5 Seiten sehr kurz gehalten und bestechen durch Einfachheit und Relevanz mit guten Inputs für den persönlichen Alltag. Dobelli bleibt objektiv, zitiert häufig seine Quellen und nimmt Pro- und Contra-Argumente auf. Hinzu kommen eine ganzseitig Illustrationen zwischen den Kapiteln, die das Buch wunderbar auflockern – was will man mehr? Kurz: Eine Lektüre, die einen wunschlos glücklich, optimistisch und motiviert zurücklässt.
Bild: Flickr (Pedro Ribeiro Simões) / Ex Libris (Die Kunst des guten Lebens)

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